Re: Heftpflaster
Verfasst: Sonntag 5. April 2026, 23:19
Klar das versteht sich. Schade dass man das betonen muss.
Johnny H hat geschrieben: Samstag 4. April 2026, 12:50
Dann kannst Du mir ja sicher erklären, was Styrol in diesem Zusammenhang mit Chlorphenol chemisch zu tun hat (und - entscheidend - was nicht). Das ist außerdem nur die gröbste Ungenauigkeit, und von den unterschiedlichen Ursachen haben wir da noch gar nicht gesprochen.
Aber wir könnten beispielsweise auch noch Ethylacetat und höhere Alkohole mit reinnehmen, weil die (EA in höheren Konzentrationen) auch irgendwie lösemittelartig und "chemisch" schmecken bzw. riechen. Ist ja alles irgendwie Bier...
Liebe Grüße von
Johnny H.
(Polymerchemiker, Hobbybrauer und Fehlaromenbesitzer)![]()
Du hast natürlich absolut recht mit dem ersten Satz oben! Das wollte ich ja eigentlich auch ein wenig so ausdrücken.Kaso hat geschrieben: Mittwoch 8. April 2026, 22:27 Also dachte ich mir: Vielleicht reden wir alle über „Heftpflaster“, meinen aber unterschiedliche Dinge. Nach ein bisschen Recherche bin ich auf folgende kleine Ordnung gekommen:
Chlorphenol: riecht nach Pflaster und Desinfektionsmittel. Ursache: Chlor im Wasser oder Reiniger. Immer ein Fehler.
Vinylphenol: riecht nach Nelke und manchmal auch nach Pflaster. Ursache: POF+ Hefen oder wilde Hefen. Typisch bei Weizen und Belgiern.
Ethylphenol: riecht nach Stall, Rauch und manchmal Pflaster. Ursache: Brett. Typisch bei Lambic & Geuze.
Ethylacetat: riecht nach Klebstoff/Nagellackentferner. Ursache: Hefestress oder Infektion. Typisch bei übervergorenen Bieren.
Kleine Anmerkung dazu: Würde ich so nicht stehen lassen. Die eigene Sprache entsteht durch diese Umschreibungen, und die können standardisiert werden. Damit man eine gemeinsame Sprache spricht, die das Individuelle möglichst kleinhält, haben sich sogenannte Geruchsorgeln bewährt. Sie kommen vor allem in der Weinverkostung und im Training dazu zum Einsatz. Kann man aber auch für alles mögliche anwenden.Johnny H hat geschrieben: Mittwoch 8. April 2026, 23:33 Wir (als Menschen) haben keine eigene Sprache für die Sensorik und beschreiben daher Aromen immer mit Assoziationen bzw. wir benutzen Bezugspunkte aus unseren Erinnerungen, aber diese Erinnerungen sind individuell, relativ und manipulierbar (u.a. durch Set und Setting). Deswegen kann man sich Aromakenntnisse auch nicht wirklich anlesen, sondern muss sie durch persönliches Erleben erst mal lernen und dann durch Training immer weiter verfeinern.
Meinst Du sowas wie hier?rakader hat geschrieben: Donnerstag 9. April 2026, 11:56 Kleine Anmerkung dazu: Würde ich so nicht stehen lassen. Die eigene Sprache entsteht durch diese Umschreibungen, und die können standardisiert werden. Damit man eine gemeinsame Sprache spricht, die das Individuelle möglichst kleinhält, haben sich sogenannte Geruchsorgeln bewährt. Sie kommen vor allem in der Weinverkostung und im Training dazu zum Einsatz. Kann man aber auch für alles mögliche anwenden.
[...]
Ja so etwas meine ich. Unser Freund aus Frankreich, Sohn einer Winzer-Dynastie, hat uns mit einer französischen Orgel so an Côte Rôtie herangeführt und unsere Nasen und vor allem das Memorieren von Sinneseindrücken auf die nächste Stufe gehoben.Johnny H hat geschrieben: Donnerstag 9. April 2026, 12:31 Meinst Du sowas wie hier?
Aromaster Aromasets
Dass man das Empfinden und sprachliche Ausdrucksvermögen über Schulungen mit standardisierten Kits normieren und vereinheitlichen kann und auch tut (Jan z.B. hat irgendwann hier oder anderswo auch mal über firmeninterne Verkostungspaneele geschrieben, bei denen man die Verkoster ebenfalls sensorisch "kalibriert") ändert aber nichts an der Tatsache, dass man beim sprachlichen Ausdrucksvermögen trotzdem auf diese relativen Bezugspunkte angewiesen bleibt.
Das ist übrigens einer der Punkte, mit denen ich bei meinen Sensorik-Seminaren immer kämpfe: einerseits versuche ich immer zu vermitteln, dass man seine individuellen sensorischen Empfindungen und Wahrnehmungen gerne auch sprachlich individuell ausdrücken und verinnerlichen soll, und da darf man z.B. gerne auch das gängige Oxidationsaroma (E)-2-Nonenal als "altes Kirchenweihwasser" (das ist ein ganz reales Beispiel, ich könnte weitere nennen) bezeichnen, aber andererseits muss man trotzdem für klar definierte Aromen zu einer ebenfalls klar definierten Sprache kommen. Das ist mangels präziser sensorischer Begriffe ein Widerspruch in sich!
Ich sage z.B. bei meinen Seminaren auch immer wieder, dass ich persönlich mit der Assoziation "buttrig" für Diacetyl nichts anfangen kann und erst viel später mit anderen Begriffen und Beschreibungen Diacetyl "gelernt" habe.
Womit wir wieder beim "Heftpflaster" sind.
(edit: ein Komma zu viel)
Die kommen in der Regel, um ihre Biere zu verbessern, andere Biere besser zu verstehen, dafür etwas über Bierfehler zu erfahren und ihre Sinne zu schulen. Oder weil sie ein oder mehrere Probleme haben/hatten und damit nicht weiterkommen. Also aus den gleichen Gründen wie auch hier sensorische Fragen gestellt werden, und aus den Gründen, weswegen auch bei der HBCON viele Leute an den Sensorikseminaren teilnehmen wollen.rakader hat geschrieben: Samstag 11. April 2026, 15:14 Entscheidend ist wohl die Frage, wie das Sensorik-Vokabular benutzt werden soll? Ich glaube weniger, dass die Teilnehmer Deiner Sensorik-Seminare das nur für sich machen wollen. Mehr dürften sie daran interessiert sein, sich verständlicher und nachvollziebarer ausdrücken zu können. Es werden also überwiegend Multiplikatoren sein. Darauf wirst Du Dich sicher auch als Seminarleiter eingestellt haben.
Wem ist das nicht schon mal passiert:- "Hm, irgendwie riecht/schmeckt das Bier komisch!?"
Passend zur Geruchsorgel und dem Thema Sensorikvokabular: Das Buch "Aroma: Die Kunst des Würzens" von Prof. Thomas Vilgis und Thomas A. Vierich (Verlag Stiftung Warentest) definiert dieses Vokabular aus lebensmittelchemischer Sicht und leitet daraus passende Pairings ab. Dies geschieht mit einer übersichtlichen Ampel. Es nähert sich also nicht über Fehlaromen und Unfällen dem Thema, sondern setzt einen Schritt früher beim Memorieren und Entwickeln an. Ich nutze es häufig in meiner Rezeptentwicklung.Johnny H hat geschrieben: Sonntag 12. April 2026, 10:58Die kommen in der Regel, um ihre Biere zu verbessern, andere Biere besser zu verstehen, dafür etwas über Bierfehler zu erfahren und ihre Sinne zu schulen. Oder weil sie ein oder mehrere Probleme haben/hatten und damit nicht weiterkommen. Also aus den gleichen Gründen wie auch hier sensorische Fragen gestellt werden, und aus den Gründen, weswegen auch bei der HBCON viele Leute an den Sensorikseminaren teilnehmen wollen.rakader hat geschrieben: Samstag 11. April 2026, 15:14 Entscheidend ist wohl die Frage, wie das Sensorik-Vokabular benutzt werden soll? Ich glaube weniger, dass die Teilnehmer Deiner Sensorik-Seminare das nur für sich machen wollen. Mehr dürften sie daran interessiert sein, sich verständlicher und nachvollziebarer ausdrücken zu können. Es werden also überwiegend Multiplikatoren sein. Darauf wirst Du Dich sicher auch als Seminarleiter eingestellt haben.
Aus einem alten Werbetext:
Wem ist das nicht schon mal passiert:- "Hm, irgendwie riecht/schmeckt das Bier komisch!?"
Thomas Vilgis ist eh genial, "a brain the size of a planet"! :)rakader hat geschrieben: Sonntag 12. April 2026, 15:16 Passend zur Geruchsorgel und dem Thema Sensorikvokabular: Das Buch "Aroma: Die Kunst des Würzens" von Prof. Thomas Vilgis und Thomas A. Vierich (Verlag Stiftung Warentest) definiert dieses Vokabular aus lebensmittelchemischer Sicht und leitet daraus passende Pairings ab. Dies geschieht mit einer übersichtlichen Ampel.