Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

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Yalaia
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Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#1

Beitrag von Yalaia »

Am letzten Wochenende habe ich mich mal an das Low Oxygen Brewing gewagt, welches von Mitgliedern des Germanbrewing Forums in diesem Paper veröffentlicht wurde. Verkürzt geht es darum, schon im gesamten Maische-, Läuter- und Kochprozess so wenig Sauerstoff wie möglich aufzunehmen. Dies mit dem Ziel, einen „reineren“ Malzgeschmack zu erzeugen. Das Paper führt auf, dass der Malzgeschmack durch hohe Sauerstoffaufnahme schon beim Maischen verloren gehen würde. In meinen Augen geht hier jedoch nicht der Geschmack „verloren“, sondern es kommt zu Oxidationsprodukten, die einen negativen/anderen Geschmack mit sich bringen und so den Malzgeschmack überlagern. Zum Beispiel lässt eine Oxidation der Polyphenole die Biere ja breiter und nachhängender werden.
Wenn auch in dem Paper (und auch in darauffolgenden Diskussionen) keine konkreten Daten und Fakten genannt werden, so gibt es in der Literatur und bei Herstellern von Brauanlagen doch recht viele Hinweise auf eine Vermeidung des Sauerstoffeintrags schon während des Brauprozesses. Da dies mit Hobbybrauermaßstäben nicht hin zu bekommen ist, schlägt das Paper neben einer möglichst hohen Vermeidung von Sauerstoffeintrag auch die Verwendung von Natriumdisulfit (E223) als Antioxidationsmittel vor, das auch bei der Weinbereitung eingesetzt wird. Das Natriumdisulfit soll dabei den Anteil von gelöstem Sauerstoff im Wasser und in der Maische auf Werten <1ppm (mg/l) halten.
Nachdem ich etwas mehr in Richtung des sauerstoffarmen Brauens gelesen hatte war die Frage für mich, kann ich dies überhaupt auf meiner 20l Anlage hinbekommen?

Doch nun zum Brautag und was und wie ich versucht habe, mit meinem begrenzten Hobbybrauerequipment hier möglichst sauerstoffarm zu maischen.

1. Schroten:
Das zuvor konditionierte Malz wurde direkt am Brautag in den Maischbottich (Einkochautomat) geschrotet. Das Konditionierungswasser wurde hierfür abgekocht, so schnell als möglich auf ca. 60°C heruntergekühlt und ein Hauch von Natriumdisulfit hinzugegeben. Insgesamt wurde mit 2% Wasser konditioniert.

2. Einmaischen
Das Einmaischwasser wurde für ca. 10 Minuten gekocht und danach mit einem Kupfereintauchkühler schnell auf ca. 63 °C gebracht. Durch das Kochen sollte der Sauerstoffwert auf unter <1ppm (mg/l) gesenkt werden und durch die schnelle Kühlung kaum Sauerstoff aus der Luft wieder aufgenommen werden. Bei 63 °C wurde auch das Natriumdisulfit mit rund 75-80 mg/l in Form von Campden Tablets (3 Tabletten für ca. 19 Liter) hinzugegeben. Mit Hilfe von einem Schlauch und der Gravitation wurde dann das Wasser „von unten“ in das zuvor geschrotete Malz gegeben. Nachdem das Wasser vollständig in den Maischebottich eingelaufen war wurde vorsichtig gerührt. Trotz des Zulaufs von unten sind dabei noch Blasen an die Oberfläche gestiegen. Eine vorherige bzw. gleichzeitige Begasung mit CO2 habe ich nicht gemacht, dies hätte vielleicht die Sauerstoffaufnahme noch weiter reduziert. Es bleibt aber zu sagen, dass sich doch einige Klumpen gebildet hatten, die dann vorsichtig untergerührt werden mussten. Auf ein Rührwerk wurde bei dem gesamten Brauvorgang verzichtet.

3. Maischen
Gemaischt wurde mit Kombirast bei 67°C für 60 Min mit pH 5,5. Lediglich bei den kurzen Heizperioden, um die Temperatur zu halten, wurde gerührt. Dieser Schritt war, mit Ausnahme des fehlenden Rührwerks, also nicht anders als sonst. Nach 60 Minuten war die Jodprobe normal.

4. Läutern
Meine größten Bedenken im Bezug auf die sauerstoffarme Arbeitsweise hatte ich beim Läutern, da hierzu die Maische in den Läuterbottich umgeschöpft werden musste. Ein direktes Läutern aus dem Maischbottich war aufgrund meiner Anlage nicht möglich. Abgeläutert wurde in die Würzepfanne mit einem Schlauch, um auch hier möglichst wenig Sauerstoffeintrag zu erhalten und ein Plätschern zu vermeiden. Das Nachgusswasser wurde analog zum Einmaischwasser ebenfalls vorab gekocht, mittels Kühler heruntergekühlt , mit 1 Campden Tablette bei 15 Litern aufbereitet und mit Milchsäure auf pH 5,4 gesäuert. Der Nachguss wurde dann in 3 Batches mittels Schlauch und Gravitation in den Läuterbottich eingeleitet. Die Maische ist dabei nie trocken gelaufen.

5. Kochen
Gekocht wurde offen für ca. 60 Minuten wobei hier nur geringes Wallen zu sehen war. Die Verdampfung hat trotzdem bei ca. 8-10% gelegen. Verblüffend war die starke Eiweißausflockung. Am Kochende schwamm sogar eine kleinere Schicht zusammengepappter Trub/Schaum an der Oberfläche, der auch nach Minuten nicht unterging und den ich mit einem Schöpflöffel abnehmen musste.

6. Ausschlagen
Nach dem Kochen wurde die Würze sofort auf Anstelltemperatur (Obergärig) heruntergekühlt. Mit dem Kupfereintauchkühler hat dies bei mir ca. 40 Minuten gedauert. Auf einen Whirlpool habe ich verzichtet. Danach wurde etwas Würze in den Gärbehälter vorgelegt und die zuvor rehydrierte und leicht angefütterte Hefe hinzugegeben und aufgerührt. Die restliche Würze wurde im Anschluss in den Gärbehälter plätschern gelassen um hier gleichzeitig die notwendige Belüftung zu erzielen. Ab in den Keller damit und Aufräumen.

Zwischenfazit:
Gleich vorweg, ich habe kein Sauerstoffmessgerät, kann also auch keine Fakten liefern, doch letztendlich ist es ja der Geschmack, der sich durch diese Art verbessern soll. Es ist also das rein subjektive Empfinden, ob die Würze besser „schmeckt“, denn das Bier vergärt ja erst. Glücklicherweise hatte ich zum Vergleich meinen Braupartner, der auf seiner 20 Liter Einkocheranlage mit identischer Schüttung im „alten“ Stil gemaischt hat.

Im Vergleich zu meiner bisherigen Arbeitsweise
  • - habe ich das Einmaischwasser vorab abgekocht, was den gelösten Sauerstoff auf unter <1ppm bringt und zusätzlich Natriumdisulfit als Antioxidationsmittel gegeben,
    - „von unten“ eingemaischt,
    - kein Rührwerk genutzt,
    - das Nachgusswasser vorab gekocht und per Schlauch eingeleitet,
    - und noch stärker auf plätschern geachtet
Alles in allem hat der Brautag nicht deutlich länger gedauert, die Kühlphasen für das abgekochte Wasser waren nicht so entscheidend und auch das vorherige Kochen des Wassers konnte parallel zum Schroten und Maischen gemacht werden.
Doch hat es jetzt anders geschmeckt? Rein subjektiv habe ich nicht diesen extremen Unterschied herausgeschmeckt, wie er im Paper dargestellt wird. Bei der Farbe war es etwas heller. Im Vergleich zum Braupartner würde ich es vorsichtig als etwas klarer im Malzgeschmack beschreiben. Die Akzente des Malzes waren in Nuancen deutlicher. Doch momentan überwiegt ja noch ein hoher Zuckeranteil der auch einiges überlagert. Also bleibt noch abzuwarten, ob sich nach der Gärung der Geschmacksunterschied deutlicher herauskristallisiert.

Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen, der auch schon mal in diese Richtung gedacht hat. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, mal was Neues aus zu probieren. :Smile

Gruß
Markus
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#2

Beitrag von Dekoktor »

Yalaia hat geschrieben:Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen, der auch schon mal in diese Richtung gedacht hat.
Ja, tut es. Danke für den interessanten Bericht!
Das ließe sich höchsten noch dadurch toppen, gleich in einer Inertgas-gefüllten Glovebox zu brauen... :Pulpfiction
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#3

Beitrag von ggansde »

Moin,
ich bringe jetzt mal eine diskussionswürdige These: Ich habe mich in Gundelfingen sehr lange mit den Speidel-Jungs unterhalten. Laut ihrer Erfahrung ist eine sauerstoffarme Würzebereitung überflüssig. Man schmeckt keinen Unterschied, ob die Würze im Braumeister plätschert oder ob man versucht diesbezüglich zu optimieren. Grundlage dieser Aussage ist aber reine Empirik. :Grübel
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#4

Beitrag von §11 »

ggansde hat geschrieben:Moin,
ich bringe jetzt mal eine diskussionswürdige These: Ich habe mich in Gundelfingen sehr lange mit den Speidel-Jungs unterhalten. Laut ihrer Erfahrung ist eine sauerstoffarme Würzebereitung überflüssig. Man schmeckt keinen Unterschied, ob die Würze im Braumeister plätschert oder ob man versucht diesbezüglich zu optimieren. Grundlage dieser Aussage ist aber reine Empirik. :Grübel
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#5

Beitrag von ggansde »

Ich verstehe jetzt Deine Aussage nicht. Die haben meinem Verständnis nach, Myriaden von Versuchen mit und ohne Sauerstoffeintrag gemacht und das Ergebnis von einem Sommelier testen lassen. Der hat keinen Unterschied bzw. Fehlgeschmack festgestellt. So stelle ich mir das Vorgehen jedenfalls vor.
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#6

Beitrag von Goofy »

Hallo Markus,

danke für Deinen ausführlichen Bericht!

Ich habe - angeregt durch den von Dir genannten Paper - vor einiger Zeit ebenfalls einen Versuch mit LoDo unternommen.
Meine Vorgehensweise dabei entspricht in etwa der Deinen mit folgenden Abweichungen:
  • Ich habe gleich im Läuterbottich (Thermopott) gemaischt, um mir das Umfüllen von der Maischepfanne in den Läuterbottich und den damit verbundenen Sauerstoffeintrag zu sparen.
  • Ich habe keine Kombirast geplant, sondern wollte mehrere Temperaturstufen (Rasten) durch Zufügen von heißem Wasser anfahren (Einlauf von unten, wie beim Einmaischen).
  • Ich habe wie im Paper empfohlen auf Nachgüsse verzichtet und somit ein Vorderwürzebier gemacht.
  • Ich habe untergärig vergoren.
Leider hat die Temperaturerhöhung nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich führe es darauf zurück, dass ich dies zum ersten Mal so gemacht habe.
Jedenfalls habe ich die letzten beiden Temperaturstufen nicht erreicht, da die Temperatur noch zu niedrig, mein Läuterbottich jedoch schon voll war. Ich habe daraufhin umgeschöpft in meine Maischepfanne, durch Erhitzen die fehlenden Temperaturstufen angefahren, und danach wieder in den Läuterbottich zurückgeschöpft.

Ich gehe davon aus, dass ich mir damit jede Menge Sauerstoff eingetragen habe. :crying

Das Bier (ein Bock) schmeckt normal, mir fällt kein Unterschied zu einem Bier in herkömmlicher Brauweise auf. Ich will das Bier zum Verkosten zum Münchner Hobbybrauerstammtisch im November mitbringen. Vielleicht schmeckt ja einer der Experten was heraus.

Ein Messgerät zur Bestimmung des Sauerstoffgehaltes habe ich auch nicht. Ich glaube jedoch fast, dass es nicht viel bringen wird, ohne ein solches weiterzumachen. Ich schrecke jedoch aufgrund des Preises noch davor zurück, mir eines anzuschaffen.

Ich denke, dass ich irgendwann einen neuen Versuch in die Richtung LoDo unternehmen werde. Angeregt durch den Artikel von Moritz im aktuellen Brau!Magazin habe ich die Idee, die Maische im Läuterbottich gegebenenfalls durch vorher erhitzte Steine auf die richtige Temperatur zu bringen, da ich keinen Tauchsieder besitze und den Thermopott nicht von außen beheizen kann.

An weiteren Erfahrungsaustausch bzw. einer gemeinsamen Ideenentwicklung wäre ich auf alle Fälle interessiert!

Viele Grüße
Goofy
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#7

Beitrag von §11 »

ggansde hat geschrieben:Ich verstehe jetzt Deine Aussage nicht. Die haben meinem Verständnis nach, Myriaden von Versuchen mit und ohne Sauerstoffeintrag gemacht und das Ergebnis von einem Sommelier testen lassen. Der hat keinen Unterschied bzw. Fehlgeschmack festgestellt. So stelle ich mir das Vorgehen jedenfalls vor.
VG, Markus
Die selbe Aussage gibt's von den großen Sudhausbauern wenn es um deren Anlagen geht die sauerstoffarm arbeiten.

Es ist halt wahrscheinlich eine Frage des Bieres und des Geschmacks. Bei super hellen Bieren sieht man schon an der Zufärbung das was passiert. Die Frage ist halt, was schmeckt. PU hat auch Diacetyl trotzdem wollen es die Leute so. Bei dunklen Bieren kann ich mir durchaus vorstellen das Malzoxidation im gewissen Maß zum Gesamtcharakter passt
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#8

Beitrag von Yalaia »

Hallo Markus,

deine These "Oxidation bei der Gärung ist egal", gerade auch im Bezug auf den Braumeister, möchte ich - da ich auch keine Beweise habe - hier nicht anfechten. Ich denke aber gerade an folgendes:
Polyphenole werden schon beim Maischen im Wasser gelöst, warum soll aber hier eine Oxidation nicht relevant sein im Bezug auf die Alterungscarbonyle, wenn ich jedoch später bei der Abfüllung dann aber einen Heidenzinober darum mache, möglichst wenig Sauerstoff in der Flasche oder dem Fass zu haben. Alterungsgeschmack ist hier ja sehrwohl ein Thema selbst im Hobbybereich und es gibt mehr als eine Diskussion hier, dass der Sauerstoff allein im Kopfraum ausreicht. Andererseits maischen wir mit Wasser ein, das 4ppm Sauerstoff bereits gelöst hat und die Polyphenole oxidieren kann. Beim Maischen kippen wir das Malz mehr oder minder hinein und bringen weiteren/neuen Sauerstoff ein und am Ende rühren wir noch extra kräftig, damit die Sudhausausbeute besonders hoch geht. Ist jetzt vielleicht übertrieben, aber was ich sagen will, am Ende des Brauprozesses achten wir auf jedes ppm aber beim Maischen ist's egal? Na gut, die Hefe verstoffwechselt einige Stoffe, doch bestimmt nicht alles. Meine Quelle zu dieser Überlegung: Narziss, Die Bierbrauerei, Band 2 Kapitel 3.1.6.5, wo sinngemaeß auf die Polyphenolzusammensetzung, die Antocyanogene und den Alterungsgeschack bei einer pH 5,2 Maische im Gegensatz zu einer pH 5,2 + Belüftungsmaische eingegangen wird und das sauerstoffarme Bier mit einer Alterungsnote von 1,4 gegenüber Luftzusatz mit 2,8 deutlich besser abschneidet. An anderer Stelle geht Narziss auch auf die Oxidation der Fettsäuren ein (C18), die ist auch nicht so recht lecker :Wink

Eigentlich eifern wir an vielen Stellen doch den Großen nach und versuchen viel zu kopieren. Es geht nicht alles, aber warum kaufen die großen Anlagen zur Entgasung des Wassers? Wirklich nur für die Filtration, zum Spülen und zur Verdünnung von High Gravity Bieren? In diesem Link mal ein Hinweis zu den aktuellen Anforderungen an die Entgasung von <0,01 ppm oder 10 ppb. Oder warum meldet Krones Patente an für Methoden zur sauerstoffarmen Schrotung und Vormaische?

Von daher bin ich persönlich vorsichtig (=subjektive Meinung) was Speidel sagt und würde es eher deuten als "kein Unterschied bei Hobbybrauerbieren", da hier eh mit anderen Maßstäben gemessen werden muss. LoDO kann ja auch nur mit dem Antioxidanz funktionieren, da allein 1ppm pro Stunde (Halbwissen) durch die Luft wieder aufgenommen wird und allein beim Einmaischen schon extrem viel Sauerstoff aufgenommen wird. Da sind schnell viel Polyphenole oxidiert...

Für mich war es ein Versuch und ich bin echt auf das Resultat gespannt. Vielleicht merke ich nichts, vielleicht ist es "nur" länger haltbar aufgrund der geringeren Alterungscarbonyle und vielleicht kommt nichts dabei heraus. Einfach mal testen. Ich bin da Unvoreingenommen.

@goofy, freut mich zu hören, dass noch weitere hier mal einen test gemacht haben. Ich würde mir auch zunächst keine Gedanken wegen der erhöhten Sauerstoffaufnahme machen. Vielleicht haben wir einfach nur ein stabileres Bier produziert, das sich halt länger hält. Wie gesagt, auch ich merke bislang noch keine riesen Unterschiede, aber die Haltbarkeit könnte halt einer sein den man jetzt noch nicht merkt (was bei deinem Bock aber aufgrund der langen Reifezeiten sicher doppelt schwierig sein wird heraus zu schmecken).

Ich gebe auch Jan recht, das es sicher darauf ankommt, welches Bier man brauen wird. Einem dunklen könnte sogar etwas fehlen.

Markus
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#9

Beitrag von ggansde »

Hallo Markus,
ich gebe Dir da völlig Recht. Es ist ja auch nicht "meine" These, sondern ich wollte lediglich mal posten, wie die Speidels das sehen. Ich selber unternehme alles Mögliche damit es mit dem Speidel beim Maischen nicht plätschert. Was meinst Du mit Antioxidantien beim Maischen: Zugabe von Ascorbinsäure?
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#10

Beitrag von ZeroDome »

Ich habe das ganze auch schon für ein Helles UG ausprobiert. Ebenfalls im Thermoport, mit Einmaischen von unten. Maischetemperatur über ein HERMS-Provisorium im geschlossenem Pumpenkreislauf. Auch in den Kocher natürlich von unten eingelassen. Nach dem Kochen und Kühlen direkt in den Chronical von unten gepumpt und mit großer Menge S-189 vom Vorsud angestellt.

Wenn ich es nicht irgendwo versaut habe, was mir nicht bewusst wäre, aber durchaus möglich, kann mein Geruchs- und Geschmacksapparat aber keinen wirklichen Unterschied erkennen. Ich werde es aber sicherlich noch einmal testen. Zwecks Haltbarkeitsuntersuchung ist das zweite KEG nicht direkt im Anschluss ans erste angezapft worden, sondern andere Biere dazwischen geschoben worden. Das muss dann noch etwas warten.
Schade, dass die Sauerstoffmessgeräte so teuer sind, mit Messwerten wäre das ganze wesentlich besser durchzuführen.
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#11

Beitrag von Brauknecht96 »

ggansde hat geschrieben:Hallo Markus,
ich gebe Dir da völlig Recht. Es ist ja auch nicht "meine" These, sondern ich wollte lediglich mal posten, wie die Speidels das sehen. Ich selber unternehme alles Mögliche damit es mit dem Speidel beim Maischen nicht plätschert. Was meinst Du mit Antioxidantien beim Maischen: Zugabe von Ascorbinsäure?
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Was soll Speidel denn auch sagen. Die Plätscherei im Braumeister beim Maischen ist halt unumgängliches "Übel" weil Bestandteil des Verfahrens. Da wird keiner sagen, dass sich der Sauerstoffeintrag irgendwie negativ auswirken könnte.

Warum auch. Ich glaube nicht, dass mit dem Braumeister "schlechtere" Biere gebraut werden, als mit anderen Hobbybrauerverfahren. Bei der Menge an verkauften Braumeistern gibt es mir da viel zu wenig (keine?) negativen Rückmeldungen bei diesem Punkt.

Wahrscheinlich ist der Effekt eh nur bei hellen Bieren mit zurückhaltener Hopfung (Münchner Helles?) erkennbar. Wahrscheinlich muss man dabei auch einen direkten A-B-Vergleich machen, dass man einen Unterschied überhaupt benennen könnte.
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#12

Beitrag von Bierwisch »

Ich möchte mal meine Thesen dagegenstellen:

-wir sind Hobbybrauer und wollen Biere mit Charakter herstellen. Die wenigsten von uns sind auf der Suche nach dem perfekten Fernsehpils und daher stört die leichte Zufärbung durch Sauerstoff kaum.
-mir und einigen anderen Leuten schmecken meine Biere – welchen Anteil daran Oxidation hat, kann ich nicht sagen, aber wahrscheinlich gehört das zu meinem Hausgeschmack.
-ich versuche beim Brauen, unnötiges Plätschern etc. zu vermeiden. Ich maische und läutere im Thermoport, benötige kein Rührwerk und verwende beim Umfüllen einen Schlauch – was jetzt dennoch an Oxidation stattfindet, kann ich mit vertretbarem Aufwand nicht verhindern.
-auch wenn ich nichts vom RHG halte, widerstrebt es mir, irgendwelche Chemikalien in mein Bier zu kippen, auch wenn mir bestimmt gleich wieder jemand erklären wird, daß das Zeug (Natriumdisulfit) harmlos ist und hinterher ja sowieso wie von Zauberhand aus dem fertigen Bier verschwunden sein wird...
-wenn jemand gerne an dem perfekten Bier arbeiten möchte, dann soll er alles tun, was dazu seiner Meinung nach notwendig ist. Es gibt aber Stellschrauben, die viel deutlicher auf den Geschmack Einfluss nehmen und die wir um einiges leichter steuern können, wie zum Beispiel die Pitching-Rate oder die Gärtemperatur.

Kurz gesagt – das ist ein interessantes akademisches Problem, aber für mich persönlich im Hobbybraubereich absolut irrelevant.

Gruß,
Bierwisch
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#13

Beitrag von ggansde »

Moin,
es schläft sich aber so schlecht neben dem BM, wenn es so laut plätschert :Wink
Es ist auch kein unumgängliches Übel, sondern kann kinderleicht abgestellt werden: Flaschengummi über die Zugstange und unter das Niederhaltungsrohr. Zwei Gummibänder an die Enden des Niederhaltungsrohrs direkt bis an das Malzrohr, an jeden Aushebebolzen ein Flaschengummi. Die Würze lüft anschließend geäuschlos über den Rand des Malzrohrs und an diesem nach unten.
VG, Markus
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#14

Beitrag von Ladeberger »

Zunächst mal ein Dankeschön an Yalaia für die aufwendige und fundierte Berichterstattung!
Yalaia hat geschrieben:Vielleicht haben wir einfach nur ein stabileres Bier produziert, das sich halt länger hält. Wie gesagt, auch ich merke bislang noch keine riesen Unterschiede, aber die Haltbarkeit könnte halt einer sein den man jetzt noch nicht merkt (was bei deinem Bock aber aufgrund der langen Reifezeiten sicher doppelt schwierig sein wird heraus zu schmecken).
Ich glaube das ist ein ganz zentraler Punkt. Die (großen) Brauereien, denen die amerikanischen Kollegen nacheifern, versuchen den Sauerstoffeintrag im Heißbereich zu minimieren, um das Reduktionsvermögen der Würze zu erhalten. Der Augenmerk lag also nie bei einem - wie auch immer gearteten - "reinen Malzgeschmack", sondern bei einer hohen Geschmacksstabilität/Haltbarkeit. Hier steht die Industrie vor ganz anderen Anforderungen, weil die Lagerbedingungen der Biere nach Verlassen der Rampe unkontrollierbar sind. Gerade im Sommer stehen die Biere mitunter monatelang bei tropischen Temperaturen im Lager. Oder als Angebot der Woche vor dem Getränkemarkt in der Sonne. Und beim Durchschnittsverbraucher geht die Sorglosigkeit nahtlos weiter. Zur sachgerechten Lagerung haben wir als Hobbybrauer ganz andere Möglichkeiten.

Gruß
Andy
Yalaia
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Re: Low Dissolved Oxygen brewing (LoDO) - Erfahrungsbericht

#15

Beitrag von Yalaia »

Hallo Andy,

ich stimme dir zu, dass die Haltbarkeit sicher einer der ausschlaggebenden Faktoren für die Großen war auf sauerstoffarme Brauweise umzustellen. Jedoch gibt es neben der Stabilität auch zum Beispiel Vorteile in Punkto schnellerer Läuterung und andere prozessualen Vorteile. Aber neben diesen prozessgetriebenen Gesichtspunkten (es ist ja Business am Ende, nicht wahr) bleibt doch vielleicht ein gewisser geschmacklicher Vorteil. Dieser ist in dem Paper reißerisch dargestellt, keine Frage, doch meist steckt ein kleiner Kern Wahrheit dahinter...
Vielleicht nicht sofort ersichtlich, doch mbMn, genug um einen Test zu starten und genug um die komplette Diskussion nicht nur auf das Packaging im Hobbybrauerbereich und hier die Sauerstoffaufnahme (!) abzuwälzen. Du hast recht, uns stehen andere Möglichkeiten zur Verfügung was den Weg von Brauer zum Endkunden betrifft, aber ist das alles? Haben wir so viel mehr Macht gegenüber den Großen als Hobbybrauer, nur weil wird den Weg zum Endkunden besser kontrollieren können?

Gruß
Markus

P.S.: Ein hitziges Thema, doch ich möchte mich vorab nicht zu schnell in die eine oder andere Richtung festlegen. Manches wird zu lang durchgekaut, manches zu schnell verworfen. Ich möchte mir hier einfach mein eigenes unvoreingenommenes (subjektives) Bild machen...
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