Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

Antworten
Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 6246
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#1

Beitrag von rakader »

Honigmalz und Melanoidin sind zwar ähnlich, unterscheiden sich dann aber doch. Honigmalz ist nochmal süßer und hat nicht die säuerliche Note von Melanoidin.

Honigmalz ist eine kanadische Erfindung der Mälzerei Gambrinus. Sein anderer Name ist Brumalt. In Europa eigentlich nicht erhältlich, ergab sich vor einigen Jahren eine Kooperation mit der finnisch-schwedischen Mälzerei Viking. Da schlug ich mit "Honey Malt Colorado" zu. Das Malz macht süffige Fußballbiere mit hoher Drinkability.

Das Malz ist deswegen so süß, weil dem Keimling beim Darrprozess für kurze Zeit die Luft entzogen wird. Da scheint Braugerste zu spinnen und produziert sehr viel Melanoidin. Wenn man der Werbung glauben darf, ist das ein ziemlich einmaliger Darrprozess.

Nunmehr neigt sich mein Vorrat und ich muss auffüllen. Doch nur in England ist das Original von Gambrinus zu finden. Viking selbst führt das Malz nicht mehr.

Ich will das Melanodin von Weyermann nicht nehmen, das oft als beste Alternative gepriesen wird. Gibt es etwas besseres oder weiß jemand eine Quelle für Honigmalz innerhalb der EU?

Zu den Eckdaten: 15-30 EBC, 10 % max. Schüttungsanteil

Grüße
Radulph

Edit: Viking EBC
Zuletzt geändert von rakader am Freitag 20. Februar 2026, 11:02, insgesamt 1-mal geändert.
---
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ André Malraux
Neu: Herbstzeit, Kürbiszeit - Pumpkin Ale wie beim Amerikaner
Serie Brauzucker selber machen
Website: Stubby Hobbs
Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 6246
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#2

Beitrag von rakader »

Nach einer Anfrage empfiehlt mir der Chefmälzer Raimo Koljonen von Viking es mit Dextrinmalz zu versuchen. Habe ich schon mal gemacht, da muss es besseres geben. Er schiebt hinterher, dass das Honigmalz von Viking immer heller war als das Original aus Kanada.

Nun ja - falls das jemand anders sieht, bitte gerne melden.
---
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ André Malraux
Neu: Herbstzeit, Kürbiszeit - Pumpkin Ale wie beim Amerikaner
Serie Brauzucker selber machen
Website: Stubby Hobbs
Benutzeravatar
Taim
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 498
Registriert: Sonntag 24. Juli 2016, 21:47
Wohnort: Münster

Re: Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#3

Beitrag von Taim »

Das Gambrinus HoneyMalt im "original" hat angeblich 40-60EBC
https://gambrinusmalting.com/wp-content ... eyMalt.pdf

das könnte eventuell Bestmalz "Melanoidin light" entsprechen.
https://bestmalz.de/wp-content/uploads/ ... e_2025.pdf

Castle Malting hat "CHÂTEAU CARA HONEY", das aber deutlich dunkler und ein Karamellmalz ist
https://www.castlemalting.com/CastleMal ... leType=PDF

aber wenn es deutlich heller sein soll? Keine Ahnung.
---Don't panic---
Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 6246
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#4

Beitrag von rakader »

Ich war gerade mit dem Mälzer von Viking in Kontakt. Er empfiehlt mir Viking Dextrin Malt als Ersatz, das mit 8-14 EBC etwas heller ist. Die Viking-Variante unterschied sich stark vom bekannten Gambrinus.

Melanodin wird beim Googeln als besserer Ersatz angeführt, weil Honigmalz durch das Verfahren ähnlich sein soll. Ich bin mir da unsicher. Das Chateau Honey ist sicherlich lecker, wird aber Röstaromen haben, die mit Honigmalz vermieden werden. Farblich gehen sich beide nicht aus.

Dextrinmalz gibt es in schwedischen und holländischen Shops, Honigmalz wohl nur in England. Dextrinmalz ist ähnlich schwer zu beschaffen. Ich hatte beide aus einem polnischen Shop.
https://vikingmalt.com/wp-content/uploa ... D-5608.pdf

Echt schwer…
---
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ André Malraux
Neu: Herbstzeit, Kürbiszeit - Pumpkin Ale wie beim Amerikaner
Serie Brauzucker selber machen
Website: Stubby Hobbs
Shenanigans
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1282
Registriert: Freitag 12. April 2013, 18:40

Re: Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#5

Beitrag von Shenanigans »

Ich hatte diese Diskussion vor neun Jahren.
https://homebrewtalk.com/threads/honey- ... te.599190/

Abbey Malt von Weyermann soll auch ähnlich sein.
https://www.weyermann.de/product/weyerm ... ey-malt-2/

Ich habe Honey Malt bei The Homebrewcompany in Ireland vor ein paar Jahre bestellt aber ist leider im Moment ausverkauft.
Ist auch schon teuer geworden :Shocked

https://www.thehomebrewcompany.ie/gambr ... 69_232_236

Du kannst per E-Mail nachfragen, ob und wann sie planen, den Malz wieder auf Lager zu haben.
Normalerweise antworten sie echt schnell.
Die haben auch Torrefied Wheat, Golden Naked Oats und günstige Hafermalz.
Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 6246
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#6

Beitrag von rakader »

Der Wald beginnt sich zu lichten. Danke @Shenigans.
Abbey Malt habe ich sogar hier, aber wenn ich die Chance habe, an Honigmalz heranzukommen, ist das klar der Favorit - hat weniger Röstaromen.
Ich frage die mal an. Bei Irland hat man gottseidank nicht die Probleme mit Zoll etc. wie in Brexit-England. Du hast recht - 3 € für 500 g sind eine Hausnummer :Shocked
Der Sud ist die Neuauflage eines alten Rezeptes, das ich nach 11 Jahren überarbeitet habe. Ein Pumpkin Ale als Fußballbier. Und es eilt nicht…

Viele Grüße
Radulph

Edit: Torrefied Wheat mache ich selber. 10 min bei 190 °C im Backofen.
---
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ André Malraux
Neu: Herbstzeit, Kürbiszeit - Pumpkin Ale wie beim Amerikaner
Serie Brauzucker selber machen
Website: Stubby Hobbs
Benutzeravatar
§11
Moderator
Moderator
Beiträge: 9851
Registriert: Freitag 30. Oktober 2015, 08:24

Re: Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#7

Beitrag von §11 »

rakader hat geschrieben: Freitag 20. Februar 2026, 10:13 Honigmalz und Melanoidin sind zwar ähnlich, unterscheiden sich dann aber doch. Honigmalz ist nochmal süßer und hat nicht die säuerliche Note von Melanoidin.

Honigmalz ist eine kanadische Erfindung der Mälzerei Gambrinus. Sein anderer Name ist Brumalt. In Europa eigentlich nicht erhältlich, ergab sich vor einigen Jahren eine Kooperation mit der finnisch-schwedischen Mälzerei Viking. Da schlug ich mit "Honey Malt Colorado" zu. Das Malz macht süffige Fußballbiere mit hoher Drinkability.

Das Malz ist deswegen so süß, weil dem Keimling beim Darrprozess für kurze Zeit die Luft entzogen wird. Da scheint Braugerste zu spinnen und produziert sehr viel Melanoidin. Wenn man der Werbung glauben darf, ist das ein ziemlich einmaliger Darrprozess.

Nunmehr neigt sich mein Vorrat und ich muss auffüllen. Doch nur in England ist das Original von Gambrinus zu finden. Viking selbst führt das Malz nicht mehr.

Ich will das Melanodin von Weyermann nicht nehmen, das oft als beste Alternative gepriesen wird. Gibt es etwas besseres oder weiß jemand eine Quelle für Honigmalz innerhalb der EU?

Zu den Eckdaten: 15-30 EBC, 10 % max. Schüttungsanteil

Grüße
Radulph

Edit: Viking EBC
Moin,
as Malz ist deswegen so süß, weil dem Keimling beim Darrprozess für kurze Zeit die Luft entzogen wird. Da scheint Braugerste zu spinnen und produziert sehr viel Melanoidin. Wenn man der Werbung glauben darf, ist das ein ziemlich einmaliger Darrprozess.
Du meinst sicherlich Weichprozess, nicht Darrprozess. Was man braucht ist ein hoher Anteil an Aminosäuren und reduzierende Zucker, für die spätere Maillardreaktion. Dazu lässt man das Korn länger keimen und lässt es anschliessend "warm werden" (stewing). Hierbei wird das feuchte Grünmalz abgedeckt und erwärmt sich selbst.

Die Aussage zur Säure is spannend. Ich muss gestehen ich hab noch nie alle Malze gleichzeitig gegen einander verkostet, wenn ich aber das Web durchforsten lasse, kommt diese Aufstellung zurück:

Key sensory differentiators
Briess American Honey Malt

Cleanest and most neutral
No acidity
Very predictable across batches
“Honey” is aromatic, not sugary

Gambrinus Honey Malt

Only malt here with intentional lactic character
Slight tartness and graininess
Perceived as more “rustic” or “European farmhouse”

Weyermann® Melanoidin

Strongest classic decoction character
High malt aroma intensity
Very little fruit character

BEST Melanoidin

Highest perceived fullness
Dried fruit emerges before honey
Much heavier mouthfeel contribution

Ich hab dann mal in die Quelle von Gambrinus selbst geschaut und finde da auch "This highly versatile, multifaceted malt brings flavors of honey, bread crust, toast, pretzel, grain, and a hint of tartness." Es findet sich auch "Stewed like a melanoidin malt and lightly cultured with lactobacillus." Dieser Schritt, also das animpfen mit Lactobacillus, finde ich so nirgends.

Nach diesen Aussagen würde ich eigentlich eine explizitere säuerliche Note erwarten, vermute aber auch eine insgeamt höhere Komplexität, warum evtl. die Säure weniger auffällt.

Cheers

Jan
Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 6246
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#8

Beitrag von rakader »

Edit:

Hallo Jan, danke Dir wie immer für Deine Ausführungen.
Die säuerliche Note wurde in meinen Recherchen mal so mal so bewertet, im Vergleich zu Melanoidin aber weniger säuerlicher angesetzt, dafür wahrnehmbar süßer. Das mit der Komplexität könnte die Erklärung für den geringeren Säureeindruck sein. Briess beschreibt sein Honigmalz als Variante von Melanoidin.

Weißt Du wie Dextrinmalz dahingehend beschrieben wird? Bei Viking heißt es
Dextrin Malt contributes to pleasant sweet,
caramel, toffee and malty type flavors and aromas
with hints of cookie.
Von tartness ist da keine Rede. „European farmhouse” habe ich indes auch mit wahrnehmbarer säuerlicher Note abgespeichert.

Kann man Dextrinmalz nicht eher mit CaraPils bzw. CaraFoam vergleichen?

Ich habe das Bier x-mal gebraut, anfangs mit Viking Colorado Honey Malt, später dann mit Viking Dextrinmalz. Leider in großen Abständen, so dass ich keinen direkten Vergleich machen konnte und nur subjektive Verkostungsnotizen heranziehen kann, die aus der Erinnerung noch einmal subjektiver sind. Vor allem was die Süße anlangt.

Die jetzige Überarbeitung des Rezeptes ist der Versuch etwas strukturierter an die Unterschiede heranzugehen, um die Wirkung der Spezialmalze besser festzumachen.

Cheers
Radulph
---
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ André Malraux
Neu: Herbstzeit, Kürbiszeit - Pumpkin Ale wie beim Amerikaner
Serie Brauzucker selber machen
Website: Stubby Hobbs
Colindo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2122
Registriert: Dienstag 16. Februar 2021, 16:36
Wohnort: bei Düsseldorf

Re: Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#9

Beitrag von Colindo »

Das Dextrinmalz habe ich mir gerade beim neuen Shop von Kegland in den Niederlanden geholt. Das Malz selbst schmeckt, wenn man einen Teelöffel zerkaut, ausgesprochen deutlich nach Honig. Ich werde das als Basis für ein Low-Alcohol NEIPA benutzen.

Das Dextrinmalz von Viking ist ein "speziell gedarrtes" Basismalz.
Auf Youtube: The British Pint
Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 6246
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Honigmalz, Honey Malt oder Brumalt - woher?

#10

Beitrag von rakader »

Colindo hat geschrieben: Freitag 20. Februar 2026, 23:05 Das Dextrinmalz habe ich mir gerade beim neuen Shop von Kegland in den Niederlanden geholt. Das Malz selbst schmeckt, wenn man einen Teelöffel zerkaut, ausgesprochen deutlich nach Honig. Ich werde das als Basis für ein Low-Alcohol NEIPA benutzen.

Das Dextrinmalz von Viking ist ein "speziell gedarrtes" Basismalz.
Danke für die Info. Den Shop habe ich auch gesehen. Dann kürze ich ab und bestelle dort. Honigmalz ist doch sehr aufwändig zu beschaffen und Dextrin als Ersatz für das hellere Colorado Honey Malt empfahl mir auch der Mälzer von Viking Malt. Damit habe ich dann auch einen würdigen Nachfolger für das Colorado.
Gambrinus kaufe ich, wenn es hierzulande mal verfügbar ist. 6 € sind dann doch zu viel.

Grüße
Radulph
---
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ André Malraux
Neu: Herbstzeit, Kürbiszeit - Pumpkin Ale wie beim Amerikaner
Serie Brauzucker selber machen
Website: Stubby Hobbs
Antworten