Keptinis

Bitte beschränkt Euch auf das Wesentliche, die Bilder. Nach Möglichkeit langatmige oder ausführliche Textpassagen vermeiden. In der Kürze liegt die Würze.
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Keptinis

#1

Beitrag von BrauWastlKoeln » Freitag 4. Oktober 2019, 08:17

Am gestrigen Feiertag das bisher aufwändigste Bier gebraut: Keptinis

Inspiriert von https://www.hopfenhelden.de/keptinis/ haben wir uns heute an dieses spannende Brauverfahren aus Litauen gewagt:
1) Dreimaischverfahren (mein erstes mal Dekoktion)
2) Treber bei 250°C gebacken
3) über Heu abgeläutert (ohne kochen)
4) mit Hopfentee gebittert
5) bei 27°C angestellt (wird auch in der Gärung gehalten)

Jetzt gespannt was draus wird. Die Spindelprobe schmeckt recht stark nach Heu. Für eine 100% Pilsner Schüttung durch das Backen eine sehr schöne Farbe bekommen. Mit temperaturbereinigt 13°P leicht über das Ziel von 12°P raus. Aber hier sollen ja Bilder sprechen:

100% Pilsner Schüttung
2019100407561400.jpg

Schroten
2019100407561304.jpg

Einmaischen
2019100408100200.jpg

Teilmaischen kochen
2019100407561303.jpg

Treber auf Backform geben
2019100407561302.jpg

Treber im Ofen
2019100407561301.jpg

Läuterbett aus Heu
2019100407561300.jpg

Treber fertig gebacken
2019100407561202.jpg

Treber in den Läutertopf
2019100407561201.jpg

Mit heißem Wasser auffüllen
2019100407561200.jpg

Hopfentee kochen
2019100407561104.jpg

Abläutern und kühlen
2019100407561103.jpg

Hefe dazu
2019100407561102.jpg

13°P temperaturbereinigt
2019100407561101.jpg

Gärung bei 27°C
2019100407561100.jpg

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Re: Keptinis

#2

Beitrag von Kolbäck » Freitag 4. Oktober 2019, 08:51

Sehr schön! :thumbsup

Sehe ich das richtig, dass Dickmaische gebacken wird und die Dünnmaische dann im Läuterbottich wieder dazu kommt, vor oder zusammen mit dem Nachguss?
Viele Grüße, Thomas
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Re: Keptinis

#3

Beitrag von BrauWastlKoeln » Freitag 4. Oktober 2019, 09:35

Ja, das habe ich mal so gemacht. In der Beschreibung wird ja nur gesagt, dass dick eingemischt wird und dann die Maische gebacken wird. Die war bei mir aber zu dünnflüssig um die auf das Backblech zu packen, daher habe ich nur die Dickmaische gebacken. Die Dünnmaische habe ich dann nachher mit zu dem heißen Wasser zusammen in den Läuterbottich gegeben. Nachguss in dem Sinne hatte ich gar nicht.

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Re: Keptinis

#4

Beitrag von HrXXLight » Freitag 4. Oktober 2019, 12:57

Welche Hefe hast du genommen und auf wieviel IBUs bist du gegangen?

Hast du Heu aufgrund der schlechten Verfügbarkeit von Roggenstroh genommen?

Karbonisierst du es in den Flaschen oder fühlst du ohne Zucker ab?
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Re: Keptinis

#5

Beitrag von Kolbäck » Freitag 4. Oktober 2019, 13:42

Habe gerade mal Youtube nach Keptinis befragt: https://www.youtube.com/watch?v=K4CdMlUpZUI

Die Omas backen den Treber richtig schwarz und werfen anscheinend die Kruste weg. :Bigsmile
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Re: Keptinis

#6

Beitrag von HrXXLight » Freitag 4. Oktober 2019, 14:49

Grad nochmal bei Garshol geschaut und die maischen da zu 70kg 100l Wasser. Backen dann, geben zu dem Treber dann Wasser und lassen es nochmal 4-5h warm rasten.
Wäre mal ein 10l Experimentalsud wert
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Re: Keptinis

#7

Beitrag von BrauWastlKoeln » Freitag 4. Oktober 2019, 15:00

HrXXLight hat geschrieben:
Freitag 4. Oktober 2019, 12:57
Welche Hefe hast du genommen und auf wieviel IBUs bist du gegangen?
Die Opshaug und auf ca 25 IBU, da der Hopfen ja wenig Bedeutung haben soll.
HrXXLight hat geschrieben:
Freitag 4. Oktober 2019, 12:57
Hast du Heu aufgrund der schlechten Verfügbarkeit von Roggenstroh genommen?
Genau, habe das Stroh mit Kleintierheu aus dem dm substituiert.
HrXXLight hat geschrieben:
Freitag 4. Oktober 2019, 12:57
Karbonisierst du es in den Flaschen oder fühlst du ohne Zucker ab?
Die Gärung läuft ja noch, aber Plan ist Zucker und Flaschengärung.

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Re: Keptinis

#8

Beitrag von HrXXLight » Freitag 4. Oktober 2019, 15:05

Hast du nochmal auf 80°C nach dem läutern erhitzt oder nur Nachgüsse und dann gekühlt?
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Re: Keptinis

#9

Beitrag von BrauWastlKoeln » Freitag 4. Oktober 2019, 15:06

HrXXLight hat geschrieben:
Freitag 4. Oktober 2019, 14:49
Grad nochmal bei Garshol geschaut und die maischen da zu 70kg 100l Wasser. Backen dann, geben zu dem Treber dann Wasser und lassen es nochmal 4-5h warm rasten.
Wäre mal ein 10l Experimentalsud wert
Hatte 5kg auf 15 Liter Wasser gemaischt und 90 Minuten gebacken bei 250°C. Danach im Läutereimer Heu und gebackenen Treber mit 25 Liter Wasser aufgefüllt und 30 Minuten rasten. Am Ende 23 Liter mit 13°P raus bekommen.

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Re: Keptinis

#10

Beitrag von BrauWastlKoeln » Freitag 4. Oktober 2019, 15:07

HrXXLight hat geschrieben:
Freitag 4. Oktober 2019, 15:05
Hast du nochmal auf 80°C nach dem läutern erhitzt oder nur Nachgüsse und dann gekühlt?
Das Wasser zum Auffüllen habe ich vorher auf 95°C erhitzt. Dann geläuterte und gekühlt.

Edit: An die 80°C Grenze braucht man sich denke ich nicht mehr halten, wenn das Zeug vorher schon 250°C gesehen hatte.

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Re: Keptinis

#11

Beitrag von HrXXLight » Freitag 4. Oktober 2019, 15:10

Ok
Ich Versuch es mal wie bei Garshol beschrieben.

Grade gesehen. Beim Fressnapf gibt es auch Roggenstroh.
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Re: Keptinis

#12

Beitrag von bwanapombe » Freitag 4. Oktober 2019, 15:56

Ist Fressnapf jetzt das neue Ikea?

Dirk

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Re: Keptinis

#13

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Freitag 4. Oktober 2019, 15:58

bwanapombe hat geschrieben:
Freitag 4. Oktober 2019, 15:56
Ist Fressnapf jetzt das neue Ikea?
Erst wenn es dort auch Fichtennadeln, Fichtenblüten und Wacholderzweige gibt. :Bigsmile
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Viele Grüße
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Re: Keptinis

#14

Beitrag von tbln » Freitag 4. Oktober 2019, 16:39

Hatte überlegt das ganze einmal ordentlich aufzuschreiben, aber ich schieb den Link einmal kurz ein, da hier ja evt. Interesse besteht: Christian Friedrich Germershausen: Die Hausmutter in allen ihren Geschäfften, Band 3 (1809)

In dem Buch gibt es eine Brauanleitung für ein Bier genannt Zauchisches Landbier (wird auch auf der Seite der Schlossbrauerei Hundisburg erwähnt).

Die Brote werden aus geschrotetem Gerstenmalz, Roggenemhl und Roggen/Weizenkleie gebacken. Die Kleie soll die Brote auflockern und beim Maischen/Läutern helfen.

Generell scheint eine solche Brauweise bei Hausbrauern durchaus üblich gewesen zu sein. Der bekannte Kvass geht ja generell auch in die Richtung. Die Bezeichnung Landbier ist auch sehr interessant für die Zeit. Keptinis ist denke ich kein Bierstil, sondern einfach die regionale Bezeichnung.

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Re: Keptinis

#15

Beitrag von BrauWastlKoeln » Freitag 4. Oktober 2019, 17:03

HrXXLight hat geschrieben:
Freitag 4. Oktober 2019, 15:10
Ok
Ich Versuch es mal wie bei Garshol beschrieben.

Grade gesehen. Beim Fressnapf gibt es auch Roggenstroh.
Berichte dann auch mal.

Ach schau an, hatte ich nicht gefunden. Dann habe ich ja für den nächsten Versuch eine Bezugsquelle.

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Re: Keptinis

#16

Beitrag von HrXXLight » Samstag 5. Oktober 2019, 02:58

Dauert aber wohl noch etwas. Da sind koch 6 Sude vorher dran
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Re: Keptinis

#17

Beitrag von BrauWastlKoeln » Sonntag 15. Dezember 2019, 14:56

Das Keptinis wurde mittlerweile von einer ganzen Reihe Leute getrunken und es hat allen gut geschmeckt. Soweit schon mal gut.

Die meisten beschreiben den Geschmack fruchtig und leicht karamellig. Von anderen Brauern wird häufig eine komplexere Schüttung vermutet (war aber ja 100% Pilsner). Man bescheinigt eine gute Drinkability als Farmhouse Ale, sodass man sich da auch mal einen ganzen Abend dran halten kann.

Den Punkten kann ich soweit auch zustimmen und mir gefällt das Bier auch schon sehr gut. Ich finde, dass man das Heu noch recht gut raus schmeckt, was aber dem Bier meiner Meinung nach nicht schadet, sondern eine tolle Geschmackskomponente ergibt. Muss jetzt mal einen Versuch mit Roggenstroh (ist ja jetzt geklärt wo man es her bekommt) machen, um zu sehen ob das auch den Geschmack so beeinflusst. Ich würde beim nächsten Mal auch länger backen, um die Malzigkeit noch etwas zu erhöhen, da ich hier mehr erwartet hätte.

Gruß
Sebastian
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