Leider ein wenig sauer...

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Klosterbrauer
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Leider ein wenig sauer...

#1

Beitrag von Klosterbrauer »

April 2026 Bier („Belgian Abbey red“) PROBLEM
Vor einem Jahr (vor-vorletztem Brauvorgang) hatte ich das Problem, dass das Bier komisch schmeckte und roch (schon im Jungbier, einige Tage vor dem Schlauchen). Höchstwahrscheinlich hat mein Bier eine Infektion bekommen, sei es durch mangelnde Hygiene, schleppende Startgärung oder was auch immer (Gärdauer wie immer bei mir: ca. 6-9 Tage). Ich habe die Foren und alles Mögliche im Internet durchforstet und dachte, das Problem im Griff zu haben (ich benutze inzwischen ein RAPT-Pill, sodass ich eigentlich nicht mehr ab und zu den Deckel aufmache, um zu schauen, die Temperatur zu messen usw.). Nun ist es ein zweites Mal passiert, was nicht nur ärgerlich ist, sondern unter anderen Umständen, sodass ich mich frage, ob es weniger die „mangelnde Hygiene“ ist (eigentlich habe ich alles gründlich gereinigt, ähnlich nach dem letzten Vorfall) oder etwas anderes. (An falscher Lagerung der Hefe kann es nicht liegen, denn die (neue, ungeöffnete) Trockenhefe-Päckchen habe ich immer im Kühlschrank.)
Zunächst mal mein Rezept, falls es jemanden interessiert: 😊
Malz: 5,1kg Pilsner Malz; 1kg Carabelge; 2 kg Best RedX; 100g Hafer (für die Krone) = ca. 8,2kg
Hopfen:
• Bitter: Hallertau-Magnum
• Aroma: 1. Eukonot 2. Mandarina Bavaria
Hefegabe: 2 Päckchen Mangrove Jack M 47 (1 davon 04/2026 also gerade noch innerhalb der Haltbarkeit)
Braumenge: ca. 35 Liter, gebraut mit dem Royal Catering RCBM - 41N (eine polnische Nachmachung der Brewmaster??) – der hat auch inzwischen Mängel, obwohl ich nur 7-8 Mal damit gebraut habe – aber dazu mehr später.
Gärführung mit RAPT: suboptimal! 15 Tage bis zu dem Punkt, an dem ich dachte, ich kann abfüllen. Der RAPT hat tagelang die gleichen Werte angezeigt. Ich muss auch dazu sagen, dass ich zu ca. 90 % (immerhin über 20 Mal gebraut) BE256 Trockenhefe benutze und damit zufrieden bin. Diesmal wollte ich etwas anderes probieren und M47 verwenden. Die Gärung begann nach ca. 30 Stunden nach dem Ansetzen (Spund blubberte).
Mir fehlt der Screenshot vom Tag der Abfüllung, aber 13 Tage waren für mich ein Rekord. Bisher habe ich spätestens nach 9-10 Tagen geschlaucht, weil der Fermentationsprozess weitestgehend abgeschlossen war, und ich hatte Angst, dass die Gärung zu lange dauert. Aber M47 dauerte Tage, bis es ruhig im Gärbottich war (und dennoch blubberte es immer noch ein bisschen) – allerdings war die Aktivität sehr gering, wenn auch andauernd. Der Pill hatte auch manchmal komische Daten teilweise übertragen. Hier könnte der Hase im Pfeffer liegen: Da ich etwas mit dem Pill vermutete, habe ich den Deckel aufgemacht (was ich eigentlich nicht mehr mache, nicht mal um die Krause wegzumachen), und der Pill war mit „Schlamm“ bedeckt, sodass ich mich genötigt fühlte, ihn zu reinigen und zurückzusetzen so dass es ungehindert schwimmen kann.
Ich nehme zusätzlich zu den Pill-Daten auch ein wenig Jungbier alle paar Tage von unten am Hahn heraus, um es mit dem Refraktometer zu messen und geschmacklich zu testen (und nie wieder reinkippen natürlich). Zu keiner Zeit schmeckte ich etwas Verdächtiges (letzte Probe ca. 1 Tag vor dem Schlauchen).
Flaschengärung: ca. 10 T
Diesmal manifestierte sich der komische Geschmack allerdings erst bei der ersten Probe (ich fülle 0,5L Bügelflaschen, aber 3 x 0,33 Stubbies für die „Qualitätskontrolle“ – 1 nach der ersten Woche im Kühlschrank, #2 nach 2 Wochen usw.). Bei der ersten Probe war schon dieser komische Gummi-/saurer Geschmack (allerdings nicht so schlimm wie letztes Jahr). Inzwischen habe ich 2x 0,33 und 3x 0,5 Flaschen probiert (Bier ist seit ca. 2 Wochen im Kühlschrank bei ca. 1-3 Grad). Also kann es nicht an 3-4 Flaschen liegen, die einfach nicht sauber waren; das wäre ein riesen Zufall.
In Summe kann ich nur vermuten, dass wegen der langen Gärdauer und/oder beim Reinigen der Pille (aber sehr spät im Prozess) ein fremder Keim reingeschlichen ist. Ist der M47 so langsam?
Was meint ihr?
Belgian Abbey red.png
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Brauturm
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Re: Leider ein wenig sauer...

#2

Beitrag von Brauturm »

Hallo, probiere docheinfach mal eibn einfaches Rezept zb 50% Wiener Malz und 50% Münchner Malz, Hefe S 04, dieses Bier gelingt immer ! Falls es doch sauer wird hast du wohl wilde Hefen in deiner Umgebung
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jbrand
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Re: Leider ein wenig sauer...

#3

Beitrag von jbrand »

Klosterbrauer hat geschrieben: Samstag 30. Mai 2026, 18:03 Ich nehme zusätzlich zu den Pill-Daten auch ein wenig Jungbier alle paar Tage von unten am Hahn heraus, um es mit dem Refraktometer zu messen und geschmacklich zu testen (und nie wieder reinkippen natürlich).
Hier könnte sich durchaus das Problem verstecken. Man bekommt diese einfachen Hähne nach Gebrauch nur richtig sauber, wenn man sie auseinander baut. Das geht natürlich nicht, solange noch was im Fass ist. Einfaches Abwischen und Ausspritzen von unten reicht nicht aus, es kann trotzdem dazu führen, dass sich im Hahn Mikroorganismen vermehren. Und beim nächsten Mal Probe ziehen bringst du diese durch die Drehung des Hahns in dein Fass hinein.
Gerade wenn die eine Pill verwendest, ist das zusätzliche Ziehen von Proben zwischendurch auch nicht notwendig. Die Pill zeigt zwar nicht unbedingt den absoluten Wert korrekt an, aber den Verlauf kann man sehr gut damit abschätzen. Vor dem Abziehen solltest du natürlich dann eine Probe ziehen und korrekt vermessen.
Auch muß man sich mit dem Schlauchen nicht unbedingt sehr beeilen, man kann fertig ausgegorenes Bier auch mal eine Woche lang auf dem Geläger stehen lassen, ohne dass da was passiert, im Gegenteil, das begünstigt den Abbau von unerwünschten Stoffen durch die Hefe.
Allerdings muss ich dir auch Recht geben, 13 Tage für ein obergäriges Bier ist zu lang.
Viele Grüße

Jens
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Klosterbrauer
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Re: Leider ein wenig sauer...

#4

Beitrag von Klosterbrauer »

Danke Jens!
Ja, ich hatte letztes Jahr (nach dem ersten Mal das Problem erschien) den Hahn auseinander genommen und gereinigt - ist aus Metal, nicht Plastik. Die letze Male nur mit Oxireiniger und kochendes Wasser liegen lassen / ein paar mal durchgespült. Mein Schlauchprozess: Ich fülle dann dass Jungbier in ein Plastik Böttich und füge die Speise hinzu und schlauche daraus. Meinst du, die kurze Zeit im Kontakt mit dem Plastikhahn kann auch eine Infektion auslösen? Könnte erklären warum das Jungbier im metal Gärfass noch gut schmeckte. Den Plastikhahn hatte ich auch nur durchgespült, ich werde es auch wieder auseinander nehmen und gründlich reinigen wie dass vom Gärfass. Faulheit zahlt sich aus (im negativen!). Ich werde im Zukunft alle Hähne jedes mal auseinander nehmen und die einzelne Teile in Seife /Oxireiniger ein paar Stunden liegen lassen.
Dass mit dem 13-15 Tage ist ein anderes Rätsel. Hast du / hat jemand hier erfahrung mit M47?
LG in die Runde!
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Klosterbrauer
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Re: Leider ein wenig sauer...

#5

Beitrag von Klosterbrauer »

Brauturm hat geschrieben: Samstag 30. Mai 2026, 19:49 Hallo, probiere docheinfach mal eibn einfaches Rezept zb 50% Wiener Malz und 50% Münchner Malz, Hefe S 04, dieses Bier gelingt immer ! Falls es doch sauer wird hast du wohl wilde Hefen in deiner Umgebung
Ja, vor ein paar Jahen habe ich sowas ähnliches gebraut:
Für 30 liter Bier (24 L Haupt- 23 L Nachguss)
Schüttung: 3500 g Münchner Malz typ II
3700 g Wiener Malz hell
100 g Farbmalz
Hopfen: Hallertau Tradition: 43 g (Kochbeginn) 35g 10 Min. vor Kochende
BE-256
Aber als Hobbybrauer will man eben austoben und verschiedene Sachen ausprobieren. 😊
Aber du hast Recht, manchmal ist „einfach“ besser 😊. Auf jeden Fall aber, muss ich noch mehr auf die Hygiene achten, und gegen die wilde Hefen kämpfen - ich denke dass ist das Hauptproblem bei mir.
Ich habe allerdings nie S04 ausprobiert (laut Hersteller „Endvergärungsgrad: mittel / Sedimentation: hoch“) sondern in 80% der Fälle BE-256 ( hoch / hoch). Eben der Letzte Sud war mit M47 (wieder was neues ausprobieren). Damit war ich immer zufrieden – dennoch probiere ich verschiedene aus (M41 war gut, S-05 war für mich so la la). Was sind deine Erfahrungen mit S-04 oder andere obergärige Hefen?
mfG
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gulp
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Re: Leider ein wenig sauer...

#6

Beitrag von gulp »

30 Stunden bis zum Ankommen, Gärdauer 15 Tage, sonst 9- 10 Tage.
Da stimmt was grundsätzlich nicht. Obergärig sollte das nach 4 oder 5 Tagen durch sein.
Probennahmen unten am Hahn war aber wohl das Hauptproblem.
Man kann auch ohne "Pill" brauen. :Greets

Gruß
Peter
>>Impfung rettet Leben und Kultur!<<

Ein Bayer ohne Bier ist ein gefährlich Thier!

https://biergrantler.de
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jbrand
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Re: Leider ein wenig sauer...

#7

Beitrag von jbrand »

Bei wie viel Grad hast du denn die Hefe angestellt? Und hast du einfach nur aufgestreut oder die Hefe vorher dehydriert? 2 Päckchen sollten für 35 Liter eigentlich ausreichend sein.
Viele Grüße

Jens
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Ladeberger
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Re: Leider ein wenig sauer...

#8

Beitrag von Ladeberger »

Für mich liest sich der Graph der Rapt Pill so, dass nach einer (zu langen) Lag-Phase die Hauptgärung in < 48 h abgeschlossen war. Das geht auch sauber mit dem Temperaturverlauf überein. Temperaturmaximum irgendwo rund um die Erschöpfung der leichter vergärbaren Zucker, danach knuspert die Hefe noch einige Stunden an Maltotriose und dann war es das. Das Bier hätte am 23./24.04. in die Flasche gehört, braucht mit der hochaktiven Hefe dann auch nur 2-3 Tage für die Flaschennachgärung und kann dann kaltgestellt werden.

Wo stand eigentlich die abgezweigte Speise für 15 Tage oder war das eine frisch angesetzte Zuckerlösung?

Gruß
Andy
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Re: Leider ein wenig sauer...

#9

Beitrag von rakader »

Die M47 mag es nicht so kalt. Sie mag es auch nicht, wenn es nach dem Anstellen kälter wird. Möglich, dass dies zu einem Teil die längere Gärdauer erklärt. Zum Anderen ist sie eine gemütliche belgische Hefe v.a. nach hinten raus: Nach 6-8 Stunden legt sie nach meinem Protokoll los und ist nach weiteren 24 Stunden über 50 % durch, dann wird's gemütlich. Ich stelle sie bei 18 °C an und führe sie auf 21 °C hoch. Zum Schluss 23 °C. Nach 7 Tagen sollte sie komplett durch sein; dann lässt man sie noch 3 Tage in Ruhe. Das fällt mir bei Ansicht des Gärverlaufs ein.

Speise für 15 Tage ist zu lang, auch im Kühlschrank. Für diesen Zeitraum sollte man sie einfrieren. Wurde vorher ein Geschmacks- und Geruchstest gemacht? Wäre für mich Ursache Nummer 1.

Gruß
Radulph
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