Flaschenwaschen

Das Vorbereiten von sauberen Flaschen für das Abfüllen von Hobbybrauersuden gehört zu den am wenigsten geliebten Beschäftigungen des Hobbys. Nur leider hat man meistens am Beginn der Brauerkarriere selten eine andere Möglichkeit sein Bier abzufüllen.

Bügelflaschen genießen unter Hobbybrauern den größten Zuspruch – sie sind einfach in der Handhabung und mittlerweile fast überall verfügbar. Am besten kauft man sich rechtzeitig ein paar Kisten und trinkt sie nach und nach oder eben mit Freunden leer. Es empfiehlt sich, nicht aus den Flaschen zu trinken, da die menschliche Mundflora recht vielgestaltig und überaus robust ist. Eine Kontamination mit solchen Keimen sollte bzw. muss unbedingt vermieden werden.

Wichtig ist, die geleerten Flaschen sofort mit leitungswarmem Wasser zu spülen. Danach stellt man sie verkehrt herum in den Kasten oder trocknet sie auf einem Abtropfständer. So kann man die Flaschen längere Zeit bedenkenlos lagern. Dennoch empfiehlt es sich aber aus hygienischen Gründen, sie kurz vor dem Befüllen nochmals zu spülen.

Falls man es ablehnt, nur wegen der Leergutbeschaffung Kaufbier zu trinken, kann man bei den meisten Getränkehändlern auch Leergut zum Pfandpreis erwerben. Alternativ dazu kann man sich auch an eine Schankwirtschaft wenden, die Flaschenbier ausschenkt und dort frisch geleerte Flaschen gegen Erstattung des Pfandgeldes erbitten.

Ziel ist es, möglichst saubere Flaschen ohne Schimmel, Obstfliegen- und Wespenleichen zu ergattern.

Reinigungsstrategien

Im Normalfall ist es völlig ausreichend, wenn man vor dem Neubefüllen einen kurzen Blick in die sauberen Flaschen wirft - wenn sie denn vorher sorgfältig gereinigt und an einem sauberen und trockenen Ort aufbewahrt wurden. Zweckmäßig ist es, zunächst den Flaschenboden vor eine Lichtquelle zu halten und durch den Hals zu blicken. Verunreinigungen fallen sofort auf und können mit einer handelsüblichen Flaschenbürste sofort behandelt werden. Ist die Flasche dennoch sehr hartnäckig verschmutzt, sollte sie wieder in den Pfandkreislauf verbracht werden.

Viele Hobbybrauer verfahren schon länger so und verzichten daher auf jede Form der Desinfektion, reinigen keine Dichtgummis etc. und hatten auch bisher noch keine Probleme, die auf unsaubere Flaschen zurückzuführen waren. Dennoch kann es keinem Hobbybrauer verübelt werden, lieber auf Nummer sicher zu gehen und zusätzliche Vorkehrungen zu treffen:

Chemie

Am einfachsten ist der Einsatz von Chemikalien; es stehen einige sehr potente Mittel zur Verfügung:

Chemipro Oxy - aus diversen Hobbybrauershops, funktioniert mit warmem Wasser durch Freisetzung von aktivem Sauerstoff und muss nicht nachgespült werden. Die Lösung wirkt nur einige Minuten und kann somit nur einmal verwendet werden.

Geschirrspülertabs - die unparfümierten preiswerten reichen völlig aus. Es muss allerdings nachgespült werden.

Natriumhydroxid - eine drei- bis fünfprozentige Lösung (Vorsicht beim Anrühren, dabei entsteht viel Wärme. NaOH ist sehr aggressiv. Unbedingt erst das Wasser vorlegen. Der alte Spruch „Erst das Wasser dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure“ gilt auch für Laugen.) reicht völlig aus, um über Nacht auch schwer verdreckte Flaschen von allem anhaftenden Schmutz zu befreien. Es hat sich bewährt, eine große Mörtelwanne mit der Lösung und dem Leergut zu befüllen (Schutzhandschuhe sind Pflicht, eine Gummischürze und eine Schutzbrille geben zusätzliche Sicherheit) und das ganze über Nacht einwirken zu lassen. Die „verbrauchte“ Lauge sehr, sehr stark verdünnen, oder noch besser, mit Salzsäure (HCl) aus dem Baumarkt neutralisieren (pH-Teststreifen verwenden, oder besser stöchiometrische Berechnungen anstellen). Bei der Säure-Base-Neutralisation ist mit großer Vorsicht vorzugehen ! Bei der Neutralisationsreaktion wird sehr viel Wärme freigesetzt, daher auf persönlichen Schutz achten. Die Salzsäure darf keinesfalls zu hoch konzentriert sein ! Diese Art der Flaschenreinigung sei nur denjenigen empfohlen - insbesondere die Entsorgung der Lauge - welche im Umgang mit Chemikalien geübt sind.

Danach muß mit reichlich Wasser gespült werden, zum Schluß kann man mit einer Essig- oder Zitronensäurelösung nachspülen.

Weniger aggressiv aber auch sehr praktikabel ist der Einsatz von Soda. Bitte Gummihandschuhe benützen, da es die schützende Fettschicht der Haut angreift. Das Nachspülen mit einer verdünnten Säure (Essig, Zitronensäure) verhindert die Bildung von weißen Schlieren auf dem Glas.

Wärme

Wer die Möglichkeit hat, verwendet viel heißes Wasser zum Einweichen und zum Entfernen der Etiketten. Hierzu eignet sich z.B. ein großer Schlacht- oder Wurstkessel, der mit Holz befeuert wird. Wer bereits einen großen Topf zum Brauen besitzt, kann diesen auch dafür verwenden. Man erwärme alles auf über 70°C und halte die Temperatur mindestens 30 Minuten.

Manche Hobbybrauer desinfizieren ihre bereits gereinigten Flaschen im Backofen. Dazu wird der Ploppverschluss entfernt und die Flaschen in den kalten Backofen gestapelt. Nach der Wärmebehandlung müssen sie zwingend möglichst langsam im Backofen auskühlen, da es sonst zu Spannungen und Rissen (oftmals im nicht für das Auge sichtbaren Kleinstbereich) im Glas kommen kann.

Man kann dann zwar sicher sein, daß alle Mikroorganismen den Hitzetod gestorben sind, aber auch in einer trockenen Flasche kann sich kein Bierschädling vermehren. Fremdkörper und Ablagerungen bleiben wo sie waren. Außerdem ist die Verschwendung von Zeit und Energie ganz enorm, warum ich von dieser Art der Flaschenreinigung abgeraten werden muß.

An dieser Stelle sei nochmals dringend vor dieser sinnlosen Energieverschwendung und potentiellen Gefahrenquelle gewarnt! Durch das Erhitzen können Spannungen im Glas erzeugt werden, die nicht sofort sichtbar sind, die aber dann auftreten können, wenn die Flasche bei der Nachgärung/Lagerung entsprechendem Druck ausgesetzt wird. Flaschenbomben kann man auch anders erzeugen.

Mechanisch

Eine simple Flaschenbürste ist für die gründliche Erstreinigung eine schnelle Lösung. Handelsübliche Flaschenbürsten mit Borstenspitze erreichen aber oft nicht alle Stellen.

Ein Gemisch aus Filtersand und Wasser - in der Flasche geschüttelt - reinigt zuverlässig Beläge von Bierstein und Hefe, die der Chemie widerstehen.

Es gibt kommerzielle Lösungen mit hohem Wasserdruck bzw. rotierenden Drahtbürsten:

Andere sinnvolle Tipps

  • Wenn man Flaschen befüllt und weggibt, bekommt man sie in welchem Zustand auch immer zurück, woraufhin sie ohne weitere Kontrolle in den Leergutkreislauf zurückwandern.
  • Empfänger liefert Flaschen an, die mit Selbstbräu befüllt werden sollen. Für die Vorbehandlung ist der/die Empfänger/in selbst verantwortlich.

Flaschenspüler im Selbstbau

Leider sind professionelle Flaschenspüler unbezahlbar, so daß man selbst handanlegen muß, wenn man das ungeliebte Spülen automatisieren will:

Und hier noch der Verweis auf den Faden im alten Forum.

Quelle: Bierwisch - Hobbybrauer-Forum

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