Hi
auch ich habe etliche Bier von DoctahCerveza bekommen. Dabei sind ein paar Ausgewöhnliche Biere.
Verkostet wurden alle noch vor Weihnachten aber irgendwie bin ich nicht zum schreiben gekommen.
„Dichte Fichte“

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Beim Öffnen fällt sofort auf, dass die Flasche nicht ganz gefüllt ist. Selbst im gut gekühlten Zustand bildet das Bier immer wieder etwas Schaum – als würde es im Inneren noch „arbeiten“.
Aussehen
Im Glas präsentiert sich die „Dichte Fichte“ goldfarben. Der Schaum ist nur kurz vorhanden und wenig stabil. Optisch ist das Bier eher ein naturtrübes.
Geruch
Der Duft ist deutlich säuerlich mit einem starken, harzigen Einschlag. Schon in der Nase zeigt sich eine ausgeprägte Fichtennote, die an Tannennadeln und Waldspaziergänge erinnert. Ein Hauch Harz ist ebenfalls gut wahrnehmbar.
Geschmack
Der erste Schluck bestätigt, was der Geruch verspricht:
Ein intensiver, waldiger Geschmack dominiert, geprägt von Tanne, Harz und frischen Nadeln. Erst ganz zum Schluss kommt eine dezente malzige Note dazu. Der Fichtengeschmack überdeckt nahezu jedes Hopfenaroma – ohne jedoch negativ zu wirken.
Die Bittere ist angenehm eingebunden und macht das Bier gut trinkbar, vorausgesetzt man mag diese ausgeprägten Harz- und Waldnoten. Mir persönlich gefällt dieser rustikale, waldige Geschmack sehr.
Meine Frau meint allerdings, es schmecke wie das „Badewasser ihrer Jugend“ – es war nicht ihre Sache. Ich habe wirklich Lust so etwas nach zu brauen. Freue mich auf die zweite Flasche.
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„Sally’s Third Moan – Pastrain Saison“
Dieses Bier ist eines, vor dem ich etwas Respekt hatte.
Aussehen:
Die Farbe ist ein dunkles Amber – oder, um im Bild zu bleiben: der Ton perfekt gegrillter Spare Ribs. Der Schaum fällt zwar relativ schnell zusammen, hinterlässt aber eine haftende, stabile Schaumkrone-Linie am Glas.
Geruch:
Der Duft ist schwer einzuordnen und wirkt beinahe fremdartig. Irgendetwas stört – nicht unangenehm, aber irritierend.
Es erinnert an den Geruch der Waschküche meiner Oma, ein Aroma, an das ich seit Ewigkeiten nicht mehr gedacht habe: eine Mischung aus Holzrauch, warmem Wäschedampf und einem Hauch Nostalgie. Ein spezieller, schwer greifbarer Duft.
Geschmack:
Der erste Schluck ist säuerlich und ungewöhnlich. Für ein Bier fällt es mir schwer, die Aromen präzise zu beschreiben. Es gibt einen Beigeschmack, der für mich nicht ganz ins Bild passt.
Das Bier ist trocken – so, wie man es von einem Saison erwartet – doch geschmacklich entfernt es sich deutlich von klassischen Saison.
Ich meine etwas tomatig-gemüseartiges herauszuschmecken, vielleicht leicht salzig. Es könnte Einbildung sein, nur weil ich weiß, dass Tomatenpulver verwendet wurde – aber die Note ist da. Der Nachgeschmack bleibt sehr lange im Mund haften.
Mit dem zweiten oder dritten Schluck, wenn der Überraschungseffekt nachlässt, kann man sich besser auf die ungewöhnlichen Aromen einlassen. Dann beginnt es sogar, eine gewisse Faszination zu entwickeln.
Aber: Man trinkt es nicht weg wie ein klassisches Bier und verlangt nicht sofort nach dem nächsten. Ein wirklich spannendes Bier, experimentell, mutig und eigenwillig – aber kein Alltagsbier.
Grüsse Thilo