Gegenstromkühler

Beim Gegenstromwürzekühler fließt die heiße Würze durch ein Kupferrohr direkt von der Sudpfanne in das Gärgefäß. Er kann, was sehr komfortabel ist, zum Beispiel direkt an den Ausgang eines Hopfenseihers angeschlossen werden. Herz des Kühlers ist ein Kupferrohr, das mit einem Schlauch ummantelt ist. Während innerhalb des Kupferrohrs nun die heiße Würze von der Sudpfanne in den Gärbehälter strömt, fließt außerhalb des Rohrs in entgegengesetzter Richtung kaltes Wasser. Da Kupfer ein hervorragender Wärmeleiter ist, funktioniert das Rohr auf der gesamten Strecke als Wärmetauscher. Bei richtig gewählter Durchlauflänge des Kühlers und aufeinander abgestimmter Fließgeschwindigkeit erreicht die Würze am Ausgang annähernd die Temperatur des Kühlwassers und das Kühlwasser ist am anderen Ende fast so heiß wie die eingeleitete Würze.

Der eigentliche Kniff dieses Kühlers besteht nun darin, ihn beiderseits mit Anschlußmöglichkeiten für die beiden Flüssigkeiten zu versehen, ohne, daß diese miteinander in Berührung kommen und so, daß natürlich alles dicht ist. Um diese Aufgabe erfolgreich lösen zu können, solltest Du ein wenig Erfahrung im Löten von Kupferrohren besitzen - oder zumindest etwas handwerkliches Geschick und Experimentierfreude. Ich persönlich hatte vor dem Bau dieses Kühlers von Ersterem nichts, von Zweiterem immerhin ein bißchen, von Letzterem aber eine ganze Menge und heraus kam dabei ein prima Apparat, der mir seit Jahren hervorragende Dienste leistet.

Die nötigen Materialien bekommst Du im gut sortierten Baumarkt. Wenn Du bisher mit einem Eintauchkühler gearbeitet hast, kannst du diesen als Materialquelle für das innere Kupferrohr verwenden. Auch bei diesem Kühler solltest Du Dir Gedanken machen, wie Du ihn an die Wasserquelle anschließen willst. Ebenfalls eine Überlegung ist es wert, ob du nicht zum Beispiel alle „Kaltanschlüsse“ deines Kühlers mit Schnellverbindern aus dem Gartenbereich ausstatten willst: Das kann nützlich sein, wenn du zum Beispiel später verschieden lange Zulaufschläuche und -hahnanschlüsse brauchst, weil Du öfter mal an verschiedenen Orten braust, weil Du das Kupferrohr nach Gebrauch in entgegengesetzter Richtung durchspülen möchtest oder weil Du deinen Hopfenseihers nur am Brautag an den Würzeeingang anschließen willst.

Und so geht's

Der Aufbau des Kühlers gliedert sich in drei Abschnitte:

  • Besuch eines Baumarktes - Einkaufsliste
  • Herstellen der Endstücke
  • Herstellen der Külhspirale
  • Anlöten der Endstücke

Einkaufsliste

Was? Wieviel ca. EUR
Kupferrohr (weich), Außendurchmesser 12 mm 10 m25,-
Kupferrohr (hart), Außendurchmesser 18 mm 10 cm1,-
Optional: Kupferrohr (hart) Außendurchmesser 12 mm 6 cm1,-
T-Stücke aus Kupfer, reduziert (18 x 15 x 15 mm)2 Stk.5.-
Absatznippel (Reduzierstück) aus Kupfer (15 auf 12 mm)4 Stk.5,-
Gartenschlauch, Innendurchmesser 3/4“ (19mm)10 m 15,-
Schlauch mit 1/2“ (12 mm) Innendurchmesser, lebensmittelecht, Länge nach Bedarfca. 5 m7,50
Schlauchschellen, 20 - 25 mm Innendruchmesser2 Stk.2,-
Schlauchschellen. 15 - 20 mm Innendurchmesser6 Stk.6,-
Passenden Adapter für den Wasserhahn, z.B. „Wasserdieb“ aus der Gartenabteilung1 Stk.8,-
Optional: Kabelbinder zum Fixieren

Werkzeug:

  • Lötlampe und Stahlwolle
  • Fluß- und Lötmittel
  • Metallsäge und Feile

Außerdem:

  • Genug Platz, um das Rohr auf möglichst gerader Strecke in den Schlauch zu schieben
  • Schmierseife oder Spülmittel

Herstellen der Endstücke

Die beiden Endstücke werden mit Lötfittings aus dem Sanitärbedarf hergestellt. Je Endstück wird ein reduziertes T-Stück, zwei Absatznippel, ein 50 mm langes, hartes Kupferrohr (Außendurchmesser 18 mm) und ein 30 mm langes Kupferrohr (Außendurchmesser 12 mm, idealerweise aus hartem Kupfer) benötigt.

Die Bilder zeigen den Aufbau der Endstücke: Der Absatznippel reduziert die beiden 15 mm-Anschlüsse des T-Stückes auf 12 mm (Außendurchmesser des Absatznippels an der einen Seite 15 mm, Innendurchmesser an der anderen Seite 12 mm). Die Endstücke dienen dazu, den inneren Würze- und den äußeren Wasserkreislauf so zu verschachteln, daß die heiße Würze dem kalten Wasser entgegenfließt. Durch den einen Absatznippel (im Bild nach rechts weisend) wird später das innere Kupferrohr geführt. Der andere Absatznippel dient in Verbindung mit dem kurzen Rohrstück zum Befestigen der Kühlwasserzu- bzw. -ableitung mittels einer Schlauchklemme. Das 50 mm lange 18mm-Rohrstück schließlich wird benötigt, um den Äußeren Kühlschlauch zu befestigen.

Nachdem die beiden Kupferrohre auf die richtige Länge abgesägt und die Kanten mit der Feile entgratet wurden, können alle Teile wie abgebildet zusammengelötet werden. Wenn Du so etwas vorher nicht gemacht hast, solltest Du Dir zumindest die Kurzanleitung zum Löten durchlesen. Auf dem Bild siehst Du, wie Deine Endstücke nach erfolgreicher Arbeit aussehen sollten.

Herstellen der Kühlspirale

Zunächst wird das Kupferrohr abgewickelt, sodaß das Kupferrohr möglichst gerade wird. Hier ist Vorsicht angebracht, damit keine Knicke im Rohr entstehen, die sich nicht mehr entfernen ließen. Anschließend wird der Gartenschlauch ebenfalls abgewickelt und ein wenig verflüssigte Schmierseife oder Spülmittel hineingegeben. Das erleichtert den nächsten Schritt gewaltig, denn jetzt wird das Kupferrohr in den Gartenschlauch hineingeschoben. Nachdem das vollständig geschehen ist – bei Bedarf ist hier ein Helfer und/oder noch mehr Schmierseife nützlich –, kann der Gartenschlauch auf die richtige Länge abgeschnitten werden. Es sollten an beiden Enden etwa 10 bis 15 cm Kupferrohr sichtbar sein.

Hernach kann das fertige Kühlrohr vorsichtig in Form einer Spirale gebogen werden. Dabei ist ein fester zylindrischer Körper (Faß, Kochtopf etc.), um den das Kühlrohr samt Schlauch gewunden wird, eine wirkliche Hilfe. Wenn Du magst, kannst Du dann die einzelnen Windungen mit Kabelbindern fest fixieren.

Anlöten der Endstücke

Um den Kühler fertigzustellen, müssen nun die Endstücke mit der Kühlspirale verbunden werden. Hierzu werden die beiden großen Schlauchklemmen über die beiden Spiralenden gestülpt. Und zwar als erstes, denn wenn du das vergißt, darfst Du diesen Abschnitt komplett noch einmal rückgängig und von vorne machen.

Als nächstes werden dann Endstücke vorsichtig über die beiden Rohrenden der Kühlspirale gestülpt. Bei einigen Fittingen muß vorher noch ein kleiner Grat abgefeilt werden. Ist das geschehen, kann der Gartenschlauch mit der Schlauchklemme an dem 18 mm dicken Rohrende fixiert werden.

Nun folgt, quasi als „krönender Abschluß“, die Verbindung des inneren Kupferrohrs der Spirale mit dem Absatznippel des darübergeschobenen Endstücks durch Verlöten. Hierbei mußt Du mit besonderer Sorgfalt vorgehen, da dieser Arbeitsschritt nicht ohne weiteres rückgängig zu machen ist. Vorsicht beim Erhitzen der Endstücke: Zum einen können sich die bestehenden Lötungen wieder lösen und zum andern wird hierbei der Schlauch stark erhitzt. Abhilfe schafft hier ein feuchter Lappen.

Nach dem Abkühlen werden dann noch die Schläuche für den Würze- bzw. Kühlwasserzu- und ablauf mittels Schlauchschellen an den jeweiligen Endstücken befestigt und entsprechend Deiner Planung die Anschlußstücke für den Wasserhahn und ggf. die Schlauchverbinder angebracht.

Der Kühler im Einsatz

Vor dem ersten Einsatz solltest Du Deine neue Errungenschaft auf Dichtheit untersuchen. Dazu leitest Du Wasser durch den Kühlschlauch und prüfst die Schlauchklemmen und die Lötstellen an den Endstücken. So entfernst Du auch gleich die Reste des Schmiermittels. Stellst Du eine Undichtheit fest, mußt Du noch einmal nachlöten oder die Schlauchklemmen fester anziehen.

Grundreinigung

Wenn alles dicht ist, sollte eine Grundreinigung des Kühlers von innen erfolgen. Dazu ein Wasser/Essig-Gemisch durch den Kühler laufen lassen und anschließend sehr gründlich mit sauberem Leitungswasser nachspülen. Hier macht es sich sofort bezahlt, wenn Du Deine Anschlüsse so geplant hast, daß Du alle (am besten mit einem Schnellanschluß aus dem Gartenbereich) an den Wasserhahn anschließen kannst: Wenn Du zwei bis drei Schwammkugeln in den Schlauch stopfst, den dann ans Wasser anschließt und mit ausreichend Druck spülst, wirst du am anderen Ende der Spirale sehen, was Deinen künftigen Suden alles an Dreck erspart geblieben ist. Auf die Idee, auch den Kühlwasserkreislauf mit Schwammkugeln zu reinigen, solltest Du besser nicht kommen. Es wäre schade um Dein schönes Bauwerk!

Laufende Reinigung und Pflege

Wenn Du Wert auf die Desinfektion Deines Brauzubehörs legst, hast Du mit diesem Kühler etwas mehr Aufwand als mit einem Eintauchkühler. Ein Vorschlag: Zunächst wird der Kühler weitestgehend erhitzt indem nacheinander durch Kupferrohr und Gartenschlauch heißes Wasser geleitet wird. Anschließend durchläuft ein Desinfektionsmittel Deiner Wahl mehrmals den Kühler, bevor Du mit reichlich kaltem Wasser nachspülst. Ist an dem Gefäß mit dem Desinfektionsmittel kein Ablaßhahn vorhanden, so kannst Du die Kühlspirale mit Hilfe des Wasseranschlusses solange mit Wasser füllen, bis alle Luftblasen entwichen sind. Anschließend wird der Schlauch von der Wasserquelle abgeklemmt und in das Desinfektionsmittel getaucht. Wenn der Kühler dann tiefer plaziert wird als das mit Desinfektionsmittel gefüllte Gefäß, durchläuft die Flüssigkeit den Kühler – der Schwerkraft sei Dank.

Generell empfiehlt sich eine regelmäßige Reinigung des inneren Rohrs, da auch bei stets sofortigem Nachspülen nach einiger Zeit Ablagerungen entstehen können.

Das Kühlen an sich

Zuerst wird der Kühlwasserzulauf mit der Wasserquelle verbunden und der Schlauch für den Kühlwasserablauf am Ausguß positioniert. Dann verbindest Du den Würzeeingang des Kühlers mittels Schlauch zum Beispiel mit Deinem Hopfenseiher – oder mit dem Ablaufhahn des Behälters mit der heißen Würze – und leitest den Würzeauslauf in deinen Gärbehälter. Erst nach dem Aufdrehen des Kühlwassers (zu Beginn ruhig möglichst stark) gibst Du den Würzefluß frei. Die Temperatur der gekühlten Würze kannst Du nun durch feinfühlige Regelung des Kühlwasserdurchflusses exakt einstellen.

Nach Gebrauch muß der Kühler lediglich noch mit heißem Wasser und ggf. unter Zuhilfenahme von Schwammkugeln gereinigt werden. Vorhandene Flüssigkeit in der Kühlspirale kann danach durch hochheben und rotieren der Spirale fast vollständig entfernt werden.

Fazit

Bild: Bernhard

Dieser Kühler ist – und zwar trotz größerem Reinigungs- Bauaufwand – für den Hobbybrauerbereich eindeutig eine Königslösung. Er ist bauartbedingt für kleine Ausstoßmengen ebenso perfekt geeignet wie für (auf unsere Verhältnisse bezogen) große, kühlt sozusagen „im Vorbeiströmen“ und sorgt so neben der reinen Zeitersparnis auch dafür, daß durch die schnelle Temperatursenkung der Kühltrub besonders gut ausfällt und daß Bierschädlinge, die sich besonders zwischen 30 und 40 Grad wohlfühlen, kaum eine Chance haben.

Zur Kaiserlösung wird dein Durchlaufkühler in Kombination mit dem Hopfenseiher und vor allem einer geeigneten Pumpe (gut geeignet sind Trinkwasserpumpen aus dem Segel- oder Wohnwagenbedarf, weil diese selbstansaugend, trockenlaufsicher sowie im Normalfall lebensmittelecht sind). Wenn Du Deinen Kühler rundum mit Schnellanschlüssen aus dem Gartenschlauchbereich ausstattest, ist auch das Durchpumpen von Desinfektionsmittel sowie das Absaugen von Restwasser nach der Reinigung ein Kinderspiel. Ich habe Pumpe und Kühler auf einem fahrbaren Brett montiert und habe an allen Schläuchen solche Schnellkuppkungen; wo heiße Würze durchfließt (also am Biereingang) ist eine hitze- und lebensmittelechte aus Metall.

Quelle: BesserBierBrauen

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