Hafer

Hafer (Avena) ist eine Gattung der Süßgräser. Die krautige Pflanze ist einjährig, besitzt einen hohlen, rundlichen Halm und kann eine Höhe von 0,4-0,8m (Nackt-Hafer) bzw. 0,6-1,5m (Saat-Hafer) erreichen. Wie viele andere Getreidepflanzen ist auch der Hafer ein Selbstbestäuber (Windbestäuber), doch er unterscheidet sich in seinem Aussehen von allen anderen kommerziellen Getreidepflanzen. Als so genanntes Rispengras besitzt der Fruchtstand des Hafers die Form einer Rispe, nicht einer Ähre. Weltweit kommen in etwa 25-35 Arten vor, doch nur zwei Arten besitzen größere wirtschaftliche Bedeutung:

  • Saat-Hafer (Avea sativa) besitzt Körner, diefest mit der Deck- und Vorspelze fest verwachsen sind.
  • Nackt-Hafer (Avena nuda) besistzt Körner, die beim Dreschen vollständig abfallen.

Das Tausendkorngewicht von Hafer beträgt 27-48g.

Geschichte:

Die Nutzung von Hafer ist bereits seit der Bronzezeit (z.B. in der Schweiz) nachgewiesen. Zu dieser Zeit Wuchs er wahrscheinlich als Beigras auf Gersten- und Weizenfeldern. Seit etwa 2400 v.Chr. ist seine Nutzung in Mitteleuropa nachweisbar. Bis ins Mittelalter befand sich das Hauptanbaugebiet größteils in den Regionen nördlich des Mains. Mit der Einführung der Kartoffel verlor Hafer seine Stellung als bedeutende Feldfrucht. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts (v.a. durch das Verschwinden von Pferden als Arbeitstiere) ging die Bedeutung von Hafer noch weiter nach unten.

Anbau:

Prinzipiell ist Hafer ein eher anspruchsloses Getreide. Er gedeiht am besten in Regionen mit gemäßigtem/feuchtkühlem Klima und hohen Niederschlägen. Durch seine geringen Bodenansprüche wurde Hafer über lange Zeit auch in eher kargen Regionen wie Mittelgebirgen, dem Alpenvorland und Küstenregionen angebaut. Da Hafer sehr kälteempfindlich ist, wird er als Sommergetreide (Ernte ab Mitte August) angebaut. In Europa wird Hafer bis 69,5° nördl. Breite angebaut. Darüber hinaus auch in Nordamerika und Westasien.

Nutzung:

  • Tierfutter für Pferde, Rinder oder Geflügel. Durch seinen hohen Rohfaseranteil ist Hafer ungeeignet zur Schweinemast.
  • Stroh
  • Medizin
  • Nahrungsmittel

Hafer ist in Form von Hafergrütze, Haferflocken (kernig/großblatt aus ganzen Körnern, zart/kleinblatt aus Grütze), Haferkleien, Haferdrinks oder Whiskey erhältlich. Da Hafer lediglich entspelzt wird, aber die Körner nicht weiter geschält werden, handelt es sich bei Haferprodukten zum größten Teil um Vollkornprodukte. Im Anschluß an das Entspezen werden die Körner gedarrt. Dadurch werden fettspaltende Enzyme daktiviert (verhindert Ranzigwerden des Fettes und verlängert die Haltbarkeit) und die Haferstärke teilweise aufgeschlossen. Durch den geringen Gluten-Gehalt ist Hafer nicht gut zur Brotherstellung geeignet (20-30% möglich), aber zum Teil für Menschen mit Glutenunverträglichkeit geeignet.

Bis ins Mittelalter (10.-12. Jahrhundert) war Haferbier sehr verbreitet. Zur Zeit der Karolinger ist der Begriff cerevisia gleichbedeutend mit Haferbier. Dieses war häufig Teil der Abgaben, die an Klöster und Grundherren zu entrichten waren. Haferbier galt als von geringerer Qualität, doch da Hafer ein im Vergleich zur Gerste oder Weizen billigerer Rohstoff war, erklärt sich die Popularität. Es wird angenommen, dass Hafer und Hopfen eine gewissen inkompatibilität besitzen, da Hafer mit deinem recht hohen Fettanteil bitternde Substanzen ins Bier bringen, deren Bittere agressiver als die des Hopfens wahrgenommen werden. Durch moderne Maischetechnologie sowie der passenden Auswahl des Haferanteils in der Schüttung werden heute erfolgreich gehopfte Haferbiere hergestellt.

Vor allem bei Bieren von den britischen Inseln (Stouts (5-10% in Oatmealstouts), Porters in Bitters) hat die Verwendung von Hafer auch heute noch Tradition. Hafer wird dabei in Form vom Flocken in die Malzschüttung gegeben.

Inhaltsstoffe:

(Angaben pro 100g)

Wasser: 13,0g
Eiweiß: 11,7g
Fett: 7,1g
Kohlenhydrate: 55,7g
Ballaststoffe: 9,7g
Mineralstoffe: 2,9g

Darüber hinaus enthält Hafer noch:

  • Vitamine
    • Nicotinsäure (B3)
    • B6
    • Vitamin E
    • Pantothensäure (B5)
    • Thiamin (Vitamin B1)
    • Riboflavin (B2)
    • Folsäure
  • Mineralstoffe
    • Kalium
    • Phosphor
    • Magnesium
    • Calcium
    • Natrium
    • Eisen
    • Zink
    • Mangan
    • Kupfer
    • Selen
  • Ballaststoffe (Beta-Glucane)
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